Starthilfe!

Wer ein Unternehmen gründet, ist auf Unterstützung angewiesen – in Form von Finanzspritzen, Zugang zu Netzwerken oder Mentoring. René Klein hat aus dem aktuellen Award-Dschungel die wichtigsten Gründerwettbewerbe für Designer herausgesucht.

Mit einem Award ausgezeichnet zu werden, ist eine Bestätigung für die eigene Arbeit. Doch die Teilnahme an Wettbewerben lohnt sich für Gründer, Freelancer und Mitarbeiter in Start-ups aus der Designbranche bereits, bevor das erste Produkt auf dem Markt ist. Über 190 Ideen-, Businessplan-, Gründer und Innovationswettbewerbe suchen Jahr für Jahr kreative Projekte, die sie mit – teilweise beachtlichen – Preisgeldern, vor allem aber mit Coaching und Netzwerkzugang belohnen. Die Wettbewerbe richten sich nicht unbedingt explizit an Kreative, doch nachfolgende Beispiele zeigen, dass diese sehr wohl ausgezeichnete Chancen haben können. Besonders gern gesehen: digitale Projekte.

Wer seine Erfolgschancen erhöhen will, sollte schon bei der Auswahl des Wettbewerbs und für die Bewerbungsunterlagen etwas mehr Zeit investieren. Nicht selten fallen gute Einreichungen aus der Bewertung, da sie die formalen Kriterien nicht erfüllen. Bei der Auswahl gilt es also, genau hinzuschauen, ob das eigene Projekt die Bedingungen auch wirklich erfüllt – und Deadlines unbedingt frühzeitig im Kalender zu markieren. Wer unsicher ist oder auf den entsprechenden Wettbewerbs-Webseiten keine Antworten findet, kann auch Kontakt zu den Vorjahresgewinnern aufnehmen, um Tipps und Hintergründe zu erfragen.

Als Gründer aus der Designbranche ist es sinnvoll, sein kreatives Potenzial zu nutzen, um durch eine gut gestaltete Präsentation bei der Jurysitzung herauszustechen. Um jedoch den Gewinn am Ende tatsächlich in den Händen zu halten, zählt weniger die Präsentation als die Marktfähigkeit des Produkts. Der Finanzteil ist meist das Herzstück der Unterlagen – davor sollten Kreative nicht zurückschrecken. Nicht nur Berater, sondern auch zahlreiche kostenfreie oder kostengünstige Tools helfen dabei, nichts zu vergessen oder zu übersehen. Und keine Sorge: Nicht alles muss der Gründer selber zu Ende denken und umsetzen – schließlich bieten viele Wettbewerbe ihren Teilnehmern Coachings oder Seminare an, um die Idee bzw. den Businessplan gemeinsam zu perfektionieren. 

1
Der Klassiker:
Kultur- & Kreativpiloten

kultur-kreativpiloten.de 
Wer wird ausgezeichnet?
32 Unternehmen beziehungsweise Selbstständige aus der Kultur- und Kreativwirtschaft.
Wer hat eine Chance?
Gesucht werden kreative Ideen, beispielsweise aus den Bereichen Designwirtschaft, Architektur, Werbung, Software/Gaming oder Medien.
Was gibt’s zu gewinnen?
Ein einjähriges Mentoring-Programm mit zahlreichen Workshops und individuellem Coaching. Außerdem profitieren Teilnehmer vom umfassenden Netzwerkzugang und von jeder Menge medialer Aufmerksamkeit.
Wer lobt aus?
Das U-Institut für unternehmerisches Denken und Handeln. Förderer ist die Initiative Kultur- und Kreativwirtschaft der Bundesregierung.
Bewerbungsfrist?
I. d. R. jährlich bis Juni.

4
Der Businessplaner:
Promotion Nordhessen

promotion-nordhessen.de
Wer wird ausgezeichnet?
Unabhängig von der technischen und strukturellen Komplexität des Konzeptes: Bundesweit Gründer aller Art, die mit Unterstützung einen tragfähigen Businessplan entwickeln wollen.
Wer hat eine Chance?
Im Fokus stehen die konzeptionelle Qualität und Stringenz des ausgearbeiteten Businessplans. Gewonnen hat 2016 z.B. eine App, die es ermöglicht, mobil verschiedene Kameraperspektiven live zu streamen, aber auch ein Konzept, das sich mit der Restaurierung und Konservierung von Kunstwerken auseinandersetzt.
Was gibt’s zu gewinnen?
Neben Support bei der Businessplan-Erstellung stehen rund 50.000 Euro an Sach- und Geldpreisen zur Verfügung.
Wer lobt aus?
Die Regionalmanagement Nordhessen GmbH mit Unterstützung des Landes Hessen sowie weiteren Sponsoren und Projektpartnern.
Bewerbungsfrist?
Für das Ideenkonzept i. d. R. jährlich bis Juni; für den Businessplan i. d. R. jährlich bis November.

2
Der Digitale:
Gründerwettbewerb – Digitale Innovationen

gruenderwettbewerb.de
Wer wird ausgezeichnet?
Gründungsinteressierte und Freiberufler, die sich der innovativen Informations- und Kommunikationstechnologie widmen.
Wer hat eine Chance?
Alle, die eine kreative und zugleich technologieorientierte Idee haben und eine maximal 15-seitige Ideenskizze einreichen, die die Aspekte Teamkompetenz, Umsetzbarkeit, Kundennutzen und Marktpotenzial herausstellt. Bei den bisherigen Gewinnern standen Virtual Reality und 3-D hoch im Kurs.
Was gibt’s zu gewinnen?
Neben wertvollem Coaching werden in verschiedenen Runden jährlich bis zu 600.000 Euro an die Gewinner vergeben.
Wer lobt aus?
Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie.
Bewerbungsfrist?
I. d. R. jährlich bis März und Oktober (Phase 1).

5
Der Altbewährte:
KfW Award Gründen
(ehemals "GründerChampions")

kfw.de/award
Wer wird ausgezeichnet?
Die KfW-Bankengruppe prämiert bereits seit 1998 jährlich die »Gründer Champions« aus jedem Bundesland.
Wer hat eine Chance?
Innovationskraft, Kreativität und soziale Verantwortung werden besonders belohnt. Die Branche spielt keine Rolle: 2016 gewann beispielsweise form.bar von Okinlab, eine intuitive 3-D-Webanwendung für frei formbare Möbel nach Maß.
Was gibt’s zu gewinnen?
Jeder Landessieger erhält 1.000 Euro, der Bundessieger zudem 9.000 Euro Preisgeld.
Wer lobt aus?
Die KfW-Bankengruppe.
Bewerbungsfrist?
I. d. R. jährlich bis August.

3
Der Alltagshelfer:
CeBIT Innovation Award

cebitaward.de
Wer wird ausgezeichnet?
Digitale Innovationen, die den Alltag erleichtern. Das Feld ist weit gefasst, richtet sich aber explizit auch an Experten auf den Gebieten Computergrafik, Datenfusion, Design oder Usability Labs.
Wer hat eine Chance?
Die wesentlichen Bewertungskriterien sind der Innovationsgrad, die gestalterische Leistung, die Praxistauglichkeit und die Darstellbarkeit im Messekontext.
Was gibt’s zu gewinnen?
Insgesamt 100.000 Euro sowie einen Ausstellungsplatz auf der CeBIT.
Wer lobt aus?
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung und die Deutsche Messe AG.
Bewerbungsfrist?
I. d. R. jährlich bis November.

6
Die Regionalen:
Von Süd nach Nord, von Ost nach West

Neben den fünf überregionalen Wettbewerben lohnt sich auch ein Blick auf die zahlreichen regionalen Wettbewerbe im Lande. So lockt beispielsweise BW Goes Mobile in Baden-Württemberg mit u. a. 10.000 Euro für den Gewinner in der Kategorie »Kultur«. Beim Hannoveraner Wettbewerb StartUp-Impuls gewannen zuletzt auch Konzepte in den Bereichen Mode bzw. Verpackung. In NRW können Start-ups beim Gründungswettbewerb Senkrechtstarter abräumen – Ideen aus den Bereichen 3-D sowie Kommunikation erzielten hier bereits gute Platzierungen. In Rheinland-Pfalz und dem Saarland ruft der Kreativsonar zur Teilnahme auf. In Berlin und Brandenburg eignet sich der Businessplan-Wettbewerb BPW besonders gut, um neue Inspiration für sein Unternehmen zu sammeln. Kreative in Mecklenburg- Vorpommern sollten sich den Ideenwettbewerb Kultur- und Kreativwirtschaft MV näher ansehen, der mit bis zu 50.000 Euro Projektförderung lockt. Auch speziell für Studierende gibt es zahlreiche Wettbewerbe, so etwa den Strascheg Award der Hochschule München. Eine Auflistung aller Gründerwettbewerbe in Deutschland samt Teilnahme-Leitfaden bietet fuer-gruender.de/wettbewerbe.


René Klein ist Mitgründer und CEO von Für-Gründer.de, einem Onlineportal für Existenzgründer. Das Portal bietet Kreativen Unterstützung in allen Phasen ihrer Gründung.