Märchenerzähler

Seit sich das Studio Vogt+Weizenegger vor neun Jahren auflöste, hat der Berliner Designer Hermann August Weizenegger eine mehr künstlerische Richtung eingeschlagen. Immer wieder tritt er zum Beispiel mit Projekten in Erscheinung, die das Ausmaß eines Gesamtkunstwerks annehmen oder es zumindest beanspruchen und die er stets mit fiktiven historischen Identitäten, ganzen Romanen oder Märchen verknüpft. Am spektakulärsten: das »Hotel Dresden«, ein ausgedachtes, im Krieg ausgebombtes Hotel in der Formensprache des Jugendstils, von dem er, ausgehend vom filigranen Muster eines Libellenflügels, einige Versatzstücke wie Möbel, Tapeten, Türklinken, Gläser sowie eine Entwurfszeichnung der Fassade rekonstruierte. Dass er dafür ganz offensichtlich CAD-Software verwendete, die Objekte aber von den besten Handwerkern fertigen ließ, die zu finden waren, gehört zur Strategie. Jetzt hat Weizenegger zehn Projekte aus den vergangenen neun Jahren in einer Monografie versammelt, darunter auch seine Kollektionen »Der Prinz von Amundo« (mit Damen- und Herrenmode) und »Die falsche Blume«.

August Hermann Weizenegger, Sandra Pravica (Hg.)
Design Kosmos
Eigenverlag ISBN 978-3-00-056622-6 € 50,–