Bauhaus-Roman

Endlich mal ein anderer, ein literarischer Zugang zum Bauhaus! Theresia Enzensberger, die Tochter von Hans Magnus, erzählt in ihrem ersten Roman die fiktive Coming-of-Age-Geschichte der Studentin Luise Schilling, die 1921 ans Bauhaus kommt und nach einer Unterbrechung 1926 in Dessau endlich das studieren darf, was sie schon immer wollte: Architektur. In Weimar verliebt Luise sich in einen Itten- Jünger, dessen Kreis sie sich anschließt, in Dessau macht sie eine unliebsame Erfahrung mit Gropius. Streckenweise liest sich der an Dialogen reiche Roman wie ein Drehbuch mit dem Bauhaus als Kulisse. Immer wieder begegnen einem historische Persönlichkeiten und Motive: Muche, Moholy-Nagy, Bayer, das Musterhaus, die Kleinschreibung, Ittens Atelier im Tempelherrenhaus, die Bauhaus- Feste, ein Doesburg-Vortrag. Zum »filmischen« Ansatz passt, dass Enzensberger ihre Hauptfigur ganz schön naiv erzählen lässt. Dadurch gelingt es ihr, das Bauhaus wirklich lebendig werden zu lassen und zu vergegenwärtigen. Und so kann sie auch den zentralen Konflikt am besten vorführen, in den Luise gerät: Auch am Bauhaus herrscht noch der Sexismus.

Theresia Enzensberger
Blaupause
Hanser Verlag, München ISBN 978-3-446-25643-9 € 22,–