Nachwuchs

James, bitte saugen

Wie viele Stunden in der Woche läuft ein Staubsauger? Im Durchschnitt vielleicht eine. Sonst steht er herum, bestenfalls in einer Kammer, schlimmstenfalls wenig dekorativ in einer Zimmerecke. Viktoria Richter hat mit ihrer Diplomarbeit an der Hochschule der Bildenden Künste Saar dem Staubsauger eine weitere Aufgabe übertragen: als Beistelltisch. James kann sich komplett mit Motor, Schlauch und Düse unter einer Kunststoffhaube verbergen, deren abgeflachte Oberseite als Abstellfläche dient. Die kleinen Bauteile hat Richter mittels 3-D-Druck gefertigt, die großen Teile professionell tiefziehen lassen. Ein originelles Konzept, das die Bank1Saar mit ihrem Förderpreis für die beste Abschlussarbeit prämiert hat.
www.viktoriarichter.de 

Bestrickender Roboter

Als Gemeinschaftsprojekt zwischen dem Roboterlabor der Cornell University im US-Bundesstaat New York und Google entstand unter der Leitung von Guy Hoffman ein ungewöhnlicher Roboter namens Blossom. Mit seinem handgestrickten Bezug und Holzelementen als »Ohren« erinnert er eher an einen Kuscheltierhasen als an eine Maschine. Auch für die Kinematik verwendeten die Forscher weiche Materialien wie Gummibänder und Bauteile aus Silikon. Die Softwareplattform TensorFlow von Google macht den Roboter lernfähig: So soll er zum Beispiel in der Lage sein, mit autistischen Kindern das Deuten von Gefühlsausdrücken zu üben.
guyhoffman.com/blossomhandcraftedsoftsocialrobot

Steh auf, Laterne

Noch eine weitere hübsche Leuchte mit Akku und Ledergriff? Auch, vor allem aber ist Faro von Wanda Gysin ein praktisches Helferlein im Alltag älterer Menschen. Die Studierende hat nämlich den Schwerpunkt des Leuchtenkörpers in das untere Drittel gelegt, wodurch sich Faro von selbst wieder aufrichtet. An der Unterseite versteckt sich zudem eine zweite Lichtquelle. Wird die Leuchte von ihrer Ladestation gehoben, geht der Spot automatisch an und beleuchtet den Boden. Gysin entwickelte die tragbare Leuchte in einem Projekt der Hochschule für Gestaltung und Kunst FHNW in Basel mit dem Schweizer Leuchtenhersteller RIBAG Licht. fhnw.ch

Schwebende Blase

Erfrischend weit entfernt von der uninspirierten Gegenwart des Autodesigns ist der Gewinnerentwurf eines Wettbewerbs, den Renault unter den Industrial-Design-Studierenden des Londoner Colleges Central Saint Martins ausschrieb: Die 23 Jahre alte Masterstudentin Yuchen Cai aus Shanghai präsentierte mit The Float autonome, magnetisch schwebende Kapseln, die den Insassen mit drehbaren Sesseln verschiedene Grade von Privatsphäre bieten und sich darüber hinaus zu ganzen Schwärmen koppeln lassen.
arts.ac.uk/csm

Alleskönner

Multifunktionalität ist bei Geschirr seit einiger Zeit ein Thema. Anstelle eines vielteiligen Services treten schlichte Teile, die zu verschiedenen Gelegenheiten und Gerichten passen und bei Zubereitung und Aufbewahrung in der Küche gute Dienste leisten. Die Masterarbeit Univessels von Maria Braun setzt bei dieser Entwicklung an. Doch die eleganten Gefäße der Absolventin der Berliner Kunsthochschule Weißensee schaffen noch mehr: Dank in- 58 duktionsfähiger Muster kann in den Porzellan- und Glasteilen gekocht werden. Außerdem gibt es für Univessels abnehmbare Dichtungsringe: So schmeckt das Selbstgekochte auch unterwegs.
aboveonethousand.com/uni-vessels

E-Mobil aus Naturfasern

An der Hochschule Trier entwickeln Studierende schon seit mehreren Jahren experimentelle Elektrofahrzeuge. Die aktuell letzte Stufe stellt der proTRon Evolution dar: Ein straßenverkehrstauglicher Kleinwagen mit einem besonders leichten Chassis aus Faserverbundwerkstoff. Dabei kommen überwiegend nachwachsende Fasern wie Flachs zum Einsatz. Beim Design der Fahrzeuge arbeitet das Trierer Team schon seit 2014 mit Studierenden des Studiengangs Industrial Design der Hochschule Osnabrück zusammen. Bauteile und Designmodelle präsentierten die Studierenden im September auf der IAA; ein fahrfähiger Prototyp soll 2018 fertig sein.
protron.hochschule-trier.de