Wir stellen vor: Die Finalisten des GDA Newcomer Award 2018

Künstliche Intelligenz, Mikroskopie, Altenpflege, Kaviar und Trompetentöne: Diese Themen inspirierten die Finalisten des Newcomer Award 2018 des German Design Award. Welches Designkonzept die Jury am meisten überzeugen wird? Das erfahren wir im Februar – bei der Preisverleihung. Wir haben den Finalisten jeweils drei persönliche Fragen gestellt.

Interviews: Barbara Friedrich

Mandolin Maidt und Andreas Goebel

beide 33, München | navvis.com

Was treibt Sie an?
Die Herausforderung, ein konkretes Problem zu lösen. Ein Produkt muss Funktionen erfüllen. Technische Anforderungen, Benutzbarkeit und formale Ästhetik bestimmen die Form. Wir sehen die Kunst darin, diese drei Aspekte zu vereinen.

Woher kommt Ihre Afrika-Faszination?
Mandolin: Ich kam über ein Maschinenbau-Praktikum nach Südafrika und konnte später Andreas für die dortigen Gestaltungsaufgaben begeistern.
Andreas: Dort geht es nicht darum, den x-ten Stuhl zu entwerfen, sondern um grundlegendere Probleme. Da werden Güter aus westlichen Industrienationen importiert, dabei gibt es ganz andere Bedürfnisse.

Haben Designer soziale Verantwortung?
Schon! Wir entwerfen ja Produkte, die Menschen benutzen sollen. Wir diskutieren untereinander viel, stellen Ideen so lange in Frage, bis sie Sinn für ein Produkt ergeben.

Mandolin Maidt und Andreas Goebel
ACar ist ein Fahrzeugkonzept für ländliche Regionen Sub-Sahara-Afrikas.

Laura Görs

28, Berlin | lauragoers.de

Laura Goers

Warum beschäftigen Sie sich mit Essen und Genießen?

Ich koche selbst gern. Bei der Gestaltung interessiert mich vor allem, wie ich etwas esse – um die maximale sinnliche Wahrnehmung zu ermöglichen.

Wie stehen Sie zu »Food Design«?
Interessant finde ich die Gestaltung von Speisen in der Molekular- und der Sterneküche. Industriell manipulierte Nahrung sehe ich dagegen kritisch.

Welche Rolle spielt Kaviar in Ihrem Leben?
Eigentlich keine. Das Set Salé ist für ein Uni-Projekt entstanden. Mich faszinierte, dass Kaviar mal Arme-Leute-Essen war, bevor es Luxus wurde. Metalllöffel ruinieren den feinen Geschmack. Statt klassischer Perlmutt- oder Goldlöffel habe ich Porzellanlöffel entworfen, die von Austernschalen inspiriert sind. Mit den rohen Glasschalen für den Kaviar beziehe ich mich auf seine natürliche Herkunft.

Salé - Kaviar Geschirr, Foto: Inga Masche
Salé - Kaviar Geschirr, Foto: Inga Masche

Philipp Weber

30, Berlin | philippweber.org 

Philipp Weber

Wie kamen Sie auf die »glasblasende Trompete«? 

Ich spiele das Instrument nicht. Vor Jahren sah ich dem belgischen Glasbläser Christophe Genard zu und war fasziniert von der Bewegung, die er mit dem einfachen Blasrohr machte – das war wie ein Tanz zu einer inneren Musik. Ich gestaltete das Blasrohr zu einer Art Trompete um, als Allegorie zum »Rhythmus« des Glasblasens. Ich konnte Christophe für meine Idee und deren Entwicklung gewinnen. Durch die drei Ventile lassen sich verschiedene Luftkammern und Farben einblasen. Das kann nur ein sehr erfahrener Glasbläser.

Form follows function oder form follows fun?
Eher Letzteres, aber noch eher »form follows emotion«.

Ihr kreatives Motto?
Frei nach Paolo Coelho aus »Der Alchimist«: Wenn du etwas ganz fest willst, dann wird das Universum darauf hinwirken, dass du es erreichen kannst.

Mit der Glastrompete gestaltete Vasen aus On Colours
Mit der Glastrompete gestaltete Vasen aus On Colours

Julian Sommer

Julian Sommer

26, Köln | www.juliansommer.com

Wie viel von einem Ingenieur steckt in Ihnen?
Die Uni Wuppertal vermittelt viel technisches Verständnis, auch für Herstellungsprozesse. Das hilft, um als Designer bei Ingenieuren ernst genommen zu werden. Meine Idee für das Mikroskop verdanke ich einem Cousin – der fand seines langweilig. Was er damit sehe, könne er auch googeln. Ich verquickte die Mikroskopfunktion mit meinem Hobby Fotografie – und einer App fürs Smartphone. Was man zum Beispiel beim Wandern entdeckt, kann man auf Social-Media-Kanälen teilen. Das ist für mich auch nachhaltig – ein Produkt mit gesellschaftlicher Wirkung.

Unter »Interessen« nennen Sie unter anderem den VWTransporter T3?
Der Wagen ist einfach Kult! Damit zu reisen ein ganz spezielles Erlebnis!

Und der Selber-Bauwagen in Ihrem Portfolio?
Produkt eines Praktikums, sollte ein Gartenhaus werden. Und ich bastle gern!

Entdecken, scannen, teilen: Das flexible Skop liefert mit einem hochauflösenden OLED-Display detailscharfe mikroskopische Bilder, die sich per App auf dem Smartphone bearbeiten und anschließend mit Freunden teilen lassen.

Fynn Scheewe

28, Mainz | fynnscheewe.de

Fynn Schewe

Wie wichtig ist Ihr Psychologiestudium für Ihre gestalterische Arbeit? 

Sehr! Vieles vom menschlichen Erleben und Verhalten ist übertragbar. Ich habe beide Fächer mit Abschluss studiert und versuche, sie zu verbinden.

Woher nehmen Sie Ihre Ideen?
Oft aus persönlichen Erfahrungen und Wahrnehmungen. So hat mich etwa die Brailleschrift fasziniert, die ich dann typografisch für Nichtblinde lesbar machte. Künstliche Intelligenz ist Thema Ihres Buches »I’m afraid I can’t do that«.

Was bewegte Sie dazu?
KI macht vielen Angst, ist aber wohl die Zukunft und hilft, Arbeitsprozesse zu erleichtern. Der Titel lehnt sich an HALs Satz in Kubricks »2001: A Space Odyssey« an, als der intelligente Bordcomputer einen Befehl verweigert, um nicht abgeschaltet zu werden – eine Schlüsselszene des Films.

Cover des Buchs I’m afraid I can’t do that., das sich mit dem Einfluss von künstlicher Intelligenz auf die Zukunft des Kommunikationsdesigns auseinandersetzt. Deep-Dream-Bilder trennen die Kapitel.