Digital braucht analog

Solange der Mensch keine direkte Schnittstelle besitzt, kann er mit dem digitalen Universum nur über den Umweg des Analogen kommunizieren, der sich momentan auf der visuellen Ebene von Displays erschöpft. Das wird sich künftig ändern. Die Oberfläche spielt dabei eine Schlüsselrolle.

Text: Armin Scharf

Tasten verschwinden

Die zum Continental-Konzern gehörende Benecke-Hornschuch-Gruppe arbeitet an sogenannten »Morphing Controls«, mit denen künftig Bedienelemente im Auto bei Nichtgebrauch verschwinden sollen. Einen Demonstrator des faszinierenden Konzepts gibt es bereits. Er zeigt Taster, die aus einer geschlossenen, homogenen Fläche leuchtend herausfahren, sobald sich die Hand des Nutzers nähert. Dieser Effekt basiert auf dem Zusammenspiel kapazitativer Sensorik mit elektromechanischen Aktoren unter der Oberfläche sowie einem reversibel verformbaren, mehrschichtigen Folienmaterial. Das bietet zum einen die Optik und Haptik von Kunstleder, zum anderen ist es lichtdurchlässig und ermöglicht so die präzise Hinterleuchtung von Symbolen mittels LEDs. An die taktile Rückmeldung haben die Entwickler übrigens auch gedacht: Erst bei einem entsprechenden Fingerdruck löst die Funktion aus; zur Bestätigung erhält der Nutzer einen kurzen, spürbaren Impuls. Die Technik eignet sich laut Hersteller auch für Schieberegler und nicht nur für das Dashboard im Fahrzeug.
contitech.de 

Whiteboard mit Fernsteuerung

Das britische Designbüro Those ist gerade dabei, seine ersten per Smartphone ansteuerbaren Whiteboards auszuliefern. Joto besteht aus dem Board und einer Stifthalterung, die wie ein in die Vertikale gekippter Portalkran funktioniert. Nur wird dabei keine schwere Last bewegt, sondern lediglich ein Stift, der Zeichnungen, Botschaften, Notizen, To-do-Listen oder sinnfreies Gekrakel vom Smartphone auf das Board überträgt. Per WLAN oder Bluetooth verbindet sich Joto mit dem Phone oder dem Internet, damit auch aus der Ferne Botschaften gesendet oder Social-Media-News eingespielt werden können. Dank ebenfalls automatisiertem Radierer lässt sich das Board immer wieder neu überschreiben. Joto war übrigens 2017 der Publikumsliebling bei der Ausstellung Beazley Designs of the Year 2017 im Londoner Design Museum.
joto.rocks

Muskeln aus Silikon

Elektroaktive Polymere verändern ihre Form beim Anlegen einer elektrischen Spannung; sie kontrahieren und entspannen sich wieder, wenn der Strom abgestellt wird. Durch gezieltes Ansteuern lassen sich so sehr schnelle Bewegungsmuster hervorrufen, die sich in Schwingungen übersetzen lassen. Genau das haben Forscher am Lehrstuhl für intelligente Materialsysteme der Universität des Saarlandes getan und unter das Modell einer Förderbahn montiert. Anders als bei herkömmlichen Vibrationsförderern lässt sich die Frequenz der Muskeln an das jeweilige Fördergut anpassen – so ist mit einer Anlage sowohl vibrationsarmes Gleiten sensibler Güter machbar wie auch das wurfähnliche Fördern. Da die Muskeln zugleich als Sensoren fungieren, erkennen sie das Gewicht des Fördergutes und sollen später – so die Idee der Forscher – ihre Frequenz entsprechend anpassen. Die Technologie könnte auch als Basis für haptische digitale Displays dienen.
imsl.uni-saarland.de

Aktives Lenkrad

ZF entwickelt sich rasant vom klassischen Getriebehersteller zum Entwickler digitaler Technologien rund um das Fahrzeug. So präsentierte das Unternehmen ein Lenkrad-Konzept für künftiges autonomes Fahren. Kern des Konzeptes ist die Aktivierung unterschiedlicher Funktionen per Gesten. Kapazitätssensoren im Lenkradrand erkennen nicht nur, ob der Fahrer das Fahrzeug aktuell per Hand kontrolliert, ihnen lassen sich auch digitalisierte Funktionen zuordnen, etwa die Steuerung der Klimaanlage. Die Rückmeldung vom Fahrzeug erfolgt entweder über das zentral platzierte Sieben-Zoll-LCD-Display oder über das Lichtband im Lenkrad. Zeigt sich das Leuchtband rot, so gilt dies als Warnhinweis, blau verweist auf den autonomen Fahrmodus, aufblitzende Signale könnten auf Probleme verweisen.
zf.com

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